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Die Zukunft gehört unseren Kindern

Pädakustik

Ihr Kind hört nicht auf Sie, wenn Sie ihm etwas sagen? Oder hört es Sie überhaupt nicht? Sie können es nicht sicher sagen?

Hörgeräteakustikmeister Marc Suter hat im Oktober 2014 seine Diplomarbeit zum Thema „Hörgeräteversorgung mit Kindern“ bei O. Univ. Prof. Dr. med. Patrick Zorowka vorgelegt, aus der folgende Abschnitte zur Einführung in das Thema dienen sollen.

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Vorwort

Hörgeräteversorgung bei Kindern

Viele Menschen denken bei Worten wie „Hörverlust“ und „Hörgerät“ an eine Alterserscheinung. Dabei ist man sich gar nicht bewusst, dass es auch Kinder und Jugendliche treffen kann. 

700‘000 Schweizerinnen und Schweizer haben ein Hörproblem! Gut jeder Zehnte über 18-Jährige in der Schweiz ist von einem Hörproblem betroffen. Doch nur zwei von fünf Betroffenen tragen auch Hörgeräte.
Ein Grund dafür ist unter anderem, dass ein Hörgerät mit dem Alter, alt werden und den entsprechenden Gebrechen assoziiert wird. Dabei ist man sich gar nicht bewusst, dass bereits Kinder davon betroffen sind.

Auf 1‘000 Lebendgeburten leiden ein bis zwei Kinder an einer Hörschädigung. Im 2013 durften wir in der Schweiz 82‘731 Lebendgeburten verzeichnen. Somit wurden im 2013 zwischen 83 bis 165 Kinder mit einem Hörverlust geboren. Dabei sind die Hörverluste, welche im Kindes- oder Teenageralter erworben werden, nicht mit einberechnet. 

Die Konsequenz ist meist sehr ähnlich. Es entstehen Probleme bei der Sprachentwicklung, Defizite in der Schule, mangelndes Selbstbewusstsein bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten.

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Einleitung

Für den Erwerb der Sprache ist ein gesundes Gehör eine Grundvoraussetzung. Somit also auch für die spätere geistige Entwicklung. Nicht zu vernachlässigen ist ebenfalls die Kommunikationsfähigkeit und somit die soziale Entwicklung. Es ist also umso wichtiger, eine mögliche Hörstörung so früh wie möglich zu erkennen. Aus diesem Anlass wurde das „Frühgeborenen-Screening“ eingeführt. Hier gibt es natürlich noch diverse Fehlerquellen, wie ungünstige Messbedingungen, Fruchtwasser, das den Gehörgang verschliesst, oder auch das Personal, welches falsch gemessen hat.

Ist ein Screening positiv ausgefallen, sollte es einige Tage danach erneut durchgeführt werden. Ist auch dieses positiv, sind weitere Abklärungen indiziert. Ein negatives Screening bedeutet noch nicht, dass das Gehör einwandfrei funktioniert. Prävalenz von Hörstörungen bei Schuleintritt: 5 – 10 % (inklusive passagere Mittelohrproblematik) Bereits ein Hörverlust von 30 – 40 dB bedeutet eine mögliche Verzögerung der Sprachentwicklung.

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Die Pränatale Entwicklung

  • 24. Schwangerschaftswoche: Cochlea morphologisch reif.
  • 25. Schwangerschaftswoche: Schallreaktionen ultrasonographisch (Ultraschalluntersuchung für Weichteilorgane) nachweisbar.
  • Frühgeburten ab der 25. – 35. Schwangerschaftswoche (je nach Literatur) konnten akustisch evozierte Potentiale abgeleitet werden.
  • Frühgeburten ab der 29. – 35. Schwangerschaftswoche (je nach Literatur) konnten TEOAE gemessen werden.

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Die postnatale Entwicklung

Bei der Geburt ist unser Hörapparat wie folgt ausgebildet:

  • Die Ohrmuschel sowie auch der Gehörgang sind vollständig angelegt; natürlich noch klein.
  • Das Mittelohr ist bereits sehr ähnlich wie bei einem Erwachsenen ausgebildet.
  • Das Innenohr ist bereits wie bei einem Erwachsenen ausgebildet.
  • Die Reifung der Hörbahnen ist ein Prozess welcher bis zu 15 Jahren benötigt.

Die Sprachentwicklung

Ohne Input - kein Output

Heute scheint klar zu sein, dass prinzipielle Sprachfähigkeit angeboren ist. Jedoch kommt es ohne Anregung durch die Umwelt zu keiner Sprachentwicklung!

„Ohne Input –  kein Output“

Es braucht die angeborene Sprachfähigkeit, sowie die (Sprach)- Anregung durch die Umwelt. Sprache und Sprachentwicklung werden nicht isoliert betrachtet, sondern sind ein Vielfaches von primär nicht sprachlichen Entwicklungsfaktoren wie:

  • Wahrnehmung (auditiv, visuell und taktil-kinästhetisch [Spühr u. Körperwahrnehmung])
  • Motorik
  • Denkentwicklung
  • Sozial – emotionale Entwicklung

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Sprachentwicklungsstörungen

Die Sprachentwicklung ist dermassen komplex, dass bei einer Störung der Sprachentwicklung zahlreiche Ursachen unterschieden werden:

– Organische Ursachen:

  • Periphere organische Ursachen (LKG-Spalte, Hörstörungen, Missbildungen im Kopfbereich)
  • Zentrale organische Ursachen (minimale Hirnfunktion, zerebrale Bewegungsstörung, neurologische Erkrankungen)

– Genetische Ursachen
– Sozio-kulturelle Ursachen
– Psychogene Ursachen

Die wirkliche Ursache einer Sprachstörung ist häufig nur sehr schwer auszumachen. Oft ist es auch nicht ein einzelner Umstand alleine, der zum Sprachproblem führt.

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Stadien der Sprachentwicklung

Die Vorstadien der Sprachentwicklung:

  • Schreiphase / Gurrphase 6. – 8. Lebenswoche
  • 1. Lallperiode 2. – 3. Lebensmonat (Gurgeln ect.)
  • 2. Lallperiode 3. – 10. (Wiederholungen wie: nananan, bababab, dadadad)

Entwicklung sprachlicher Muster und Strukturen:

  • Ab dem 9. – 10. Lebensmonat werden die Lautgebilde regelhaft und konstanter.
  • Einwortsätze 1 – 1,6 Jahre (Holophrasen)
  • Zwei und Mehrwortsätze 1,6 – 2 Jahre (starkes Ansteigen des Wortschatzes; mit 2 Jahren ca. 50 Wörter)
  • Frühgrammatische Phase 2 – 3 Jahre (Ich bin gespringt)
  • Morphosynaktische Strukturierung 3 – 4 Jahre (entwicklungsbedingte Sprechflüssigkeit, stottern ist noch normal)
  • Annäherung an die Erwachsenensprache 4 – 6 Jahre (Die Erweiterung des Wortschatzes ist das ganze Leben lang möglich)

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Hörstörungen

Schallleitungsschwerhörigkeit:
  • Gehörgang
  • Mittelohr
Schallempfindungsschwerhörigkeit:
  • Innenohr (Cochleär)

Kombination von Schallleitungs- und Schallempfindungsstörung:

Kombinierte Schwerhörigkeit

Neuraler Hörverlust:
– Neural (retro cochleär)
– Zentral:

  • Hirnstamm
  • Höhere Zentren

Ausprägung der Schwerhörigkeit:

  • Passager (zb. MO Erguss)
  • Fluktuierend
  • Permanent
  • Progredient
  • Fluktuierend progredient

Ursachen

Es können hereditäre, wie auch nicht hereditäre Ursachen in Frage kommen.

Hereditäre Formen:

  • monosymptomatisch
  • polysymptomatisch
  • syndromal
 
Nicht hereditäre Formen:
  • Pränatal
  • Perinatal
  • Postnatal

Messverfahren

Objektiv:

Bei den „objektiven“ Messungen ist die Mitarbeit des Patienten nicht im eigentlichen Sinne notwendig. Die Beurteilung der Ergebnisse erfolgt jedoch immer noch durch den Untersucher.

  • Impedanzmessung (Tympanometrie, Stapediusreflex Messung
  • Otoakustische Emissionen
  • Auditorisch evozierte Potentiale (AEP, „Hirnstammaudiometrie“ oder BERA)

Subjektiv:
Das subjektive Messverfahren bezieht sich auf die Mitarbeit des Patienten (Reflexe, Hörreaktionen, Angabe der Hörschwelle). Die Beurteilung der Ergebnisse erfolgt durch den Untersucher.

  • Reflex-, Verhaltensaudiometrie
  • Spielaudiometrie
  • Tonaudiometrie
  • Sprachaudiometrie

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ENTWICKLUNG DES KINDES

Die Entwicklung beginnt bereits mit der Befruchtung der Eizelle. Ein gesunder Mensch entwickelt sich ein Leben lang weiter. Entwicklung heisst auch, dass stets eine zunehmende Myelinisierung der Nerven / Gehirnbahnen und eine Vernetzung der Gehirnzellen (Synapsenbildung) stattfindet.

Voraussetzungen für eine optimale Entwicklung sind gute Gesundheit, ein förderndes Umfeld, sowie ein psychisches Wohlbefinden. Denn ein gesundes Kind will lernen. Treibende Kräfte sind die Neugierde und die Eigeninitiative.

Entwicklungsretardierungen:

– Pränatale Störungen (Alkohol, Drogen, Medikamentenmissbrauch, Infektionen wie Torch, Röteln, Zytomegalievirusinfektion)

– Perinatal (Sauerstoffmangel)

– Postnatal (Unfälle, Traumen, Infektionen)

– Psychische Störungen (Beziehungsstörungen, Vernachlässigungen)

– Stoffwechselstörungen

– Chromosom Schäden (Trisomie 21, Trisomie 18, Trisomie 11q+ oä.)

– Postnatal:

  • Hirnblutung
  • Herzfehler
  • Unfälle
  • Infektionen (Meningitis, Encephalitis)
  • Medikamentennebenwirkungen